Die Frage kommt regelmäßig: „Können wir das auch fräsen?” Oft ja – aber ob es sinnvoll ist, hängt von Stückzahl, Geometrie und Budget ab. Hier ein ehrlicher Vergleich aus der Praxis.

Was CNC kann, was 3D-Druck nicht kann

CNC-Fräsen ist das überlegene Verfahren, wenn es um:

  • Metallbauteile geht (Stahl, Aluminium, Messing)
  • Sehr enge Toleranzen unter ±0,05 mm gefordert werden
  • Oberflächengüten wie Ra 0,8 oder besser nötig sind
  • das Bauteil hohen Dauerbelastungen oder Temperaturen über 150 °C standhält

Für diese Fälle ist 3D-Druck keine Alternative.

Was 3D-Druck kann, was CNC schwer fällt

FFF-3D-Druck ist wirtschaftlicher oder technisch überlegen, wenn:

Komplexe Geometrien gefragt sind. Hinterschnitte, interne Kanäle, Wabenstrukturen – alles, was beim Fräsen mehrere Aufspannungen oder Sonderwerk­zeuge erfordert, kostet im 3D-Druck nichts extra.

Kleine Stückzahlen unter ~20 Teilen. Ohne Einrichtungskosten, ohne Spannvorrichtungen, ohne Mindestmenge. Ein Einzelteil kostet dasselbe wie fünf.

Funktionsprototypen unter Zeitdruck. Vom CAD-Modell zum greifbaren Bauteil in 24–48 Stunden – CNC-Fräser haben oft Wochen Vorlauf.

Leichtbau durch Topologieoptimierung. Strukturen wie Gitterinfill oder optimierte Wandstärken sind im Fräsen kaum umsetzbar.

Kostenschwelle: ab wann wird CNC günstiger?

Als grobe Faustregel gilt:

StückzahlEmpfehlung
1–20 Stück3D-Druck meist günstiger
20–100 StückAbhängig von Geometrie und Material
100+ StückCNC oder Spritzguss oft wirtschaftlicher

Bei Hochleistungspolymeren wie PETG-HF oder ASA schließt sich der Kostenabstand zum CNC-Fräsen für Kunststoffe weiter, weil Fräsen von PETG aufwendig und teuer ist.

Toleranzen im FFF-Druck

Realistische Erwartungswerte auf kalibrierten Systemen:

  • XY-Ebene: ±0,1–0,2 mm
  • Z-Achse: ±0,2–0,3 mm
  • Bohrungsdurchmesser: ±0,1 mm (nachmessen und ggf. aufbohren empfohlen)

Für Passungen empfehlen wir, kritische Maße im STEP-Modell zu kennzeichnen. Wir berücksichtigen das beim Slicing.

Hybridansatz

In der Praxis arbeiten wir oft hybrid: Das Grundgehäuse kommt aus dem 3D-Drucker, einzelne Lagersitze oder Gewindebuchsen werden eingepresst oder nachgebohrt. So kombinieren Sie die Geometriefreiheit des 3D-Drucks mit der Präzision mechanischer Nachbearbeitung.

Fazit

3D-Druck ist kein Ersatz für CNC – aber für Kunststoffbauteile in kleinen Stückzahlen mit komplexer Geometrie ist er meist schneller, günstiger und flexibler. Wenn Sie unsicher sind, schildern Sie uns das Bauteil – wir geben eine ehrliche Einschätzung, welches Verfahren für Ihren Fall sinnvoll ist.