Standard Polymaker Industrietauglich
PolyCast

Polymaker PolyCast – Feinguss-Modelle ohne Werkzeugbau

Ausbrennbares Modellmaterial für das Feingussverfahren (Wachsausschmelzverfahren). PolyCast ersetzt das Wachsmodell: Das Urmodell wird direkt aus den CAD-Daten gedruckt, eingebettet und im Ofen ausgebrannt – laut Hersteller mit einem Ascherückstand unter 0,003 %. Damit entfällt der komplette Werkzeugbau für die Wachsspritzform. Kein Werkstoff für Endbauteile.

Technische Kennwerte

Basis-Polymer
PVB (Polyvinylbutyral), ausbrennbar eingestellt
Zugfestigkeit
~53 MPa (X-Y, ISO 527) · Z-Richtung ~26 MPa
Wärmeformbeständigkeit
~53 °C (HDT/A, ISO 75)
UV-Beständigkeit
Nicht UV-stabilisiert

Typische Anwendungsbereiche

  • Urmodelle für den Feinguss (Metallguss)
  • Schmuck- und Kleinserienguss
  • Prototypen-Gussteile ohne Werkzeugkosten
  • Ersatzteilguss nach Muster oder 3D-Scan
  • Kunst- und Restaurierungsguss

Materialdokumente

Technisches Datenblatt

Offizielle Herstellerquelle · PDF

Sicherheitsdatenblatt

Offizielle Herstellerquelle · PDF

Herstellerquelle

Offizielle Herstellerquelle

Wofür dieses Material gedacht ist

PolyCast ist kein Werkstoff für Bauteile, sondern für Modelle. Das gedruckte Teil wird nie ausgeliefert – es wird eingebettet, im Ofen rückstandsarm ausgebrannt und hinterlässt den Hohlraum, in den das Metall fließt. Was der Kunde am Ende in der Hand hält, ist ein Gussteil aus Bronze, Silber, Edelstahl oder Aluminium.

Der wirtschaftliche Hebel liegt genau dort: Im klassischen Feinguss entsteht das Wachsmodell in einer Wachsspritzform, deren Werkzeugkosten unabhängig von der Stückzahl anfallen. Bei einem Einzelstück, einem Ersatzteil oder einer Serie von 20 Teilen steht dieser Werkzeugbau in keinem Verhältnis zum Auftrag. PolyCast überspringt diesen Schritt: Das Modell kommt direkt aus den CAD-Daten.

Der Prozess

SchrittWas passiert
1. DruckenUrmodell aus PolyCast, 190–220 °C Düse, offener Bauraum
2. GlättenIsopropanol löst die Oberfläche an – Schichtlinien verschwinden, Anguss lässt sich ankleben
3. EinbettenModell wird in die Keramik- bzw. Einbettmasse eingebettet (beim Kunden / in der Gießerei)
4. AusbrennenOfen auf 1.100–1.200 °C, 40–60 min – Keramikschale sintert, Modell brennt aus
5. AbgussMetall in die entstandene Kavität gießen, danach Schale spülen

Was wir liefern, ist Schritt 1 und optional Schritt 2. Einbetten, Ausbrennen und Abguss finden bei Ihnen oder Ihrer Gießerei statt – wir betreiben keine Gießerei.

Ascherückstand: was die Zahl bedeutet

Der Herstellerwert lautet < 0,003 % Ascherückstand (Polymaker Ash-Free™). Das ist der zentrale Kennwert für ein Ausschmelzmodell: Jeder Rückstand, der in der Kavität bleibt, wird zum Einschluss im Gussteil.

Zwei Einordnungen sind wichtig:

Erstens nennt Polymaker zu diesem Wert keine Messtemperatur und keine Prüfnorm. Für den realen Prozess gibt der Hersteller 1.100–1.200 °C über 40–60 Minuten an, weil bei dieser Temperatur gleichzeitig die Keramikschale sintert.

Zweitens ist der Wert eine Herstellerangabe unter Laborbedingungen, kein Prüfzeugnis für Ihren Ofen. Ausbrennprogramm, Haltezeit und Aufheizrampe hängen von Ihrer Einbettmasse, der Modellwandstärke und dem Ofentyp ab. Polymaker weist ausdrücklich darauf hin, dass jede Gießerei ihr Programm selbst ermitteln muss. Wir empfehlen deshalb bei der ersten Serie ein Musterteil zum Einfahren des Programms, bevor eine ganze Charge eingebettet wird.

Nach dem Abkühlen sollte die Schale mit Wasser gespült werden, um verbliebene Asche auszutragen.

Dokumentierte Kennwerte

Mechanische und thermische Werte aus dem Polymaker-Datenblatt V5.4. Der Ascherückstand ist eine Angabe aus der Polymaker-Produktinformation (Ash-Free™) und nicht Teil des Datenblatts:

EigenschaftWertNorm
Dichte1,10 g/cm³ (bei 21,5 °C)ISO 1183
Zugfestigkeit X-Y53,2 ± 1,1 MPaISO 527
Zugfestigkeit Z26,3 ± 2,1 MPaISO 527
E-Modul X-Y2.215 ± 42 MPaISO 527
Bruchdehnung X-Y5,7 ± 0,5 %ISO 527
Biegefestigkeit X-Y78,0 ± 2,3 MPaISO 178
Charpy gekerbt X-Y2,9 ± 0,3 kJ/m²ISO 179
Glasübergangstemperatur70 °CDSC
Zersetzungstemperatur260 °CTGA
Vicat-Erweichung67 °CISO 306
Wärmeformbeständigkeit (1,8 MPa)53 °CISO 75
Wärmeformbeständigkeit (0,45 MPa)67 °CISO 75
Gleichgewichtsfeuchte2,09 % (70 % r.F., 23 °C)

Zwei Punkte, die in der Praxis zählen

Feuchte. Mit 2,09 % Gleichgewichtsfeuchte nimmt PolyCast deutlich mehr Wasser auf als PLA oder PETG. Eine offen gelagerte Spule ist nach wenigen Tagen durchfeuchtet, was zu Blasen und Oberflächenfehlern führt – und jeder Oberflächenfehler am Modell steht anschließend als Fehler im Gussteil. Wir lagern und drucken das Material deshalb trocken; die Herstellervorgabe lautet 12 Stunden bei 50 °C zum Nachtrocknen.

Formstabilität bei Wärme. Bei ~53 °C Wärmeformbeständigkeit verzieht sich ein Modell bereits im heißen Auto oder im sonnenbeschienenen Lager. Feingussmodelle sind Präzisionsteile – der Verzug landet 1:1 im Gussteil. Modelle sollten daher zügig eingebettet und bis dahin kühl gelagert werden.

Wirtschaftlicher Vergleich

WachsspritzformPolyCast-Modell
Werkzeugkostenhoch, stückzahlunabhängigkeine
Vorlaufzeit bis zum 1. ModellWochenStunden
Änderung der Geometrieneues Werkzeugneue CAD-Datei
Kosten je Modell bei Großseriesehr niedrigkonstant (Materialkosten)
Wirtschaftlich abmehreren Tausend StückEinzelstück bis mittlere Serie

Ab einer gewissen Seriengröße bleibt die Wachsspritzform überlegen – die Stückkosten sinken dort mit jeder Einheit, während sie beim Druckmodell konstant bleiben. PolyCast ist das Verfahren für alles darunter: Einzelstücke, Ersatzteile, Prototypen und Kleinserien.

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