Geschäumtes TPU

Ein Elastomer, das sich während des Drucks selbst aufschäumt: Der Kern wird weich und leicht, die Außenhaut bleibt geschlossen und abwischbar. Dämpfer, Dichtungen, Werkstückaufnahmen und Inlays – maßgefertigt ab Stückzahl 1, ohne Werkzeugkosten.

Weich dämpfen oder sauber bleiben –
bisher ein Kompromiss

Wo in der Maschine etwas dämpfen, dichten oder schonend aufnehmen soll, stehen üblicherweise zwei Werkstoffe zur Wahl. Offenporige Weichschäume – Moosgummi, Zupfschaum, Filz – sind nachgiebig, saugen aber Öl und Kühlschmierstoff auf, fransen an den Kanten aus und lassen sich nicht reinigen. Hartgummi und massiv gedrucktes TPU sind robust und wischbar, geben einen Stoß auf kurzem Weg aber weitgehend an die Struktur weiter und bringen spürbar Gewicht mit.

Geschäumtes TPU löst diesen Zielkonflikt über den Prozess statt über den Werkstoff. Durch eine gezielte Temperaturführung im Druck expandiert das Material nur dort, wo es weich sein soll: im Kern. Die Außenwand bleibt dicht. Das Ergebnis ist ein Bauteil mit der Nachgiebigkeit von Moosgummi und der Oberfläche eines Industriekunststoffs.

Geschlossene Außenhaut

Der Perimeter wird kalt genug gefahren, dass er nicht aufschäumt: Die Bauteiloberfläche bleibt dicht, glatt und abwischbar – sie saugt weder Öl noch Kühlschmierstoff.

Aufgeschäumter Kern

Im Inneren expandiert das Material gezielt. Es entsteht eine zellige Struktur, die Stöße über einen längeren Weg abbaut, statt sie hart zurückzugeben.

Deutlich weniger Gewicht

Die Bauteildichte fällt je nach Drucktemperatur von 0,88 auf 0,51 g/cm³ (Herstellerdatenblatt, ISO 845) – bei gleicher Außenkontur rund die Hälfte des Gewichts von massiv gedrucktem TPU.

Fünf Einsätze aus Maschinenbau
und Automatisierung

Alle Bauteile entstehen aus Ihren Daten oder nach Aufmaß – passend zur Einbausituation statt passend zum Katalog.

Rückseitig verschraubter Dämpfungspuffer aus geschäumtem TPU an einem Aluminiumprofil in einer Automatisierungsanlage
01 Lineartechnik

Dämpfungspuffer und Endanschläge

Ein Linearschlitten läuft in den Endanschlag. Ein harter Gummipuffer bremst auf kurzem Weg – der Stoß geht als Schlag in die Struktur, wird hörbar und setzt Verschraubungen über die Zeit.

Der Puffer wird rückseitig verschraubt, die Aufprallfläche bleibt massiv und frei von Gewinden. Der geschäumte Kern nimmt die kinetische Energie über einen längeren Federweg auf, die geschlossene Außenwand nimmt den Abrieb.

  • Aufprallfläche ohne Einschraubgewinde – Befestigung liegt hinten
  • Dämpfungsweg über Kernhöhe und Schäumgrad ausgelegt, nicht aus dem Katalog
  • Geschlossene Wand statt offener Schaum: kein Ausfransen an der Kontaktfläche
Touchpanel mit umlaufender schwarzer Dichtung aus geschäumtem TPU an einem Edelstahl-Schaltschrank
02 Schaltschrank & HMI

Nahtlose Dichtungen für Panel und Gehäuse

Für Sondermaschinen-Gehäuse und Touchpanel-Ausschnitte gibt es selten eine passende Normdichtung. Zugeschnittene Moosgummistreifen haben Stoßstellen in den Ecken – genau dort, wo später Feuchtigkeit eintritt.

Die Dichtung entsteht in einem Stück, umlaufend, ohne Stoß – in der Kontur Ihres Ausschnitts. Die porenfreie Außenhaut nimmt weder Staub noch Wasser auf, der weiche Kern gleicht Blechunebenheiten schon bei geringem Anpressdruck aus. Das schont Displayglas und verhindert, dass sich dünnes Blech beim Anziehen verzieht.

  • Umlaufend in einem Stück – keine Stoßstelle in der Ecke
  • Dichtwirkung bei niedriger Schraubenvorspannung, kein Verzug an Blech und Glas
  • Oberfläche abwischbar, nimmt keine Reinigungsmittel auf

Eine IP-Schutzart entsteht immer aus dem Gesamtaufbau. Die Dichtung ist die Voraussetzung dafür – den Nachweis ersetzt sie nicht.

Gefrästes Aluminiumbauteil liegt in einem konturgenauen Prüfnest aus geschäumtem TPU unter einem Lasersensor
03 Prüfen & Montieren

Schonende Werkstückaufnahmen und Prüfnester

Hochglänzende oder lackierte Teile müssen in der optischen Messstation wiederholgenau liegen. Harte Nester zeichnen sich auf der Oberfläche ab, loser Schaumstoff rutscht, fusselt und altert.

Das Nest wird direkt aus den CAD-Daten des Werkstücks abgeleitet. Die weiche, griffige Oberfläche hält das Teil ohne Klemmkraft in Position, ohne es zu zeichnen – und bleibt als geschlossene Haut faserfrei und wischbar.

  • Kontur aus den Bauteildaten – Position ist reproduzierbar
  • Rutschfest ohne Klebeband, Filz oder Einlegeschaum
  • Kein Faserabrieb in Messzelle oder Reinraumnähe
Zylindrischer Dämpfer aus geschäumtem TPU unter einem Hydraulikblock in einer ölbenetzten Maschinenumgebung
04 Hydraulik & Medienkontakt

Maschinendämpfer im Ölkontakt

Vibrationspads unter Hydraulikblöcken und Aggregaten stehen dauerhaft im Ölnebel. Offenporige Schäume saugen sich voll, quellen und verlieren ihre Vorspannung – die Entkopplung lässt nach, lange bevor jemand nachsieht.

TPU ist gegenüber Mineral- und Hydraulikölen deutlich robuster als die üblichen Weichschäume. Die geschlossene Außenhaut verhindert zusätzlich, dass Medium überhaupt in den Kern gelangt – die Dämpfung bleibt über die Standzeit erhalten statt kontinuierlich abzufallen.

  • Kein Vollsaugen des Kerns – die Federwirkung bleibt berechenbar
  • Ölreste lassen sich abwischen, der Puffer bleibt sichtprüfbar
  • Standfläche und Höhe passend zur Baugruppe, nicht zur Normplatte

Chemische Beständigkeit ist immer medienabhängig. Nennen Sie uns das eingesetzte Öl oder Reinigungsmittel – wir bewerten den Fall vor der Fertigung.

Industrie-Transportkoffer mit konturgenauer Einlage aus geschäumtem TPU für einen Sensor mit Steckverbindern
05 Transport & Service

Stoßdämpfende Koffer-Inlays

Teure Sensorik und Optik reist im Transportkoffer auf gezupftem Rasterschaum. Der bröselt an den Kanten, hält das Gerät nur grob und sieht beim Kunden nach Provisorium aus.

Die Einlage entsteht konturgenau aus den Gerätedaten – inklusive Aussparungen für Kabel, Werkzeug und Zubehör sowie eingedruckter Beschriftung. Sie ist deutlich leichter als eine massive TPU-Einlage und bleibt dank geschlossener Oberfläche abwischbar.

  • Gerät sitzt definiert statt nur gepolstert – kein Wandern im Koffer
  • Spürbar geringeres Versandgewicht als bei massivem TPU
  • Beschriftung und Griffmulden direkt im Bauteil

Weitere Anwendungen

Kabeldurchführung mit Tülle aus geschäumtem TPU an einem Schaltschrankboden mit mehreren Leitungen

Kabeldurchführungen und Tüllen

Maßgefertigte Durchführungen für Leitungsbündel: schließt am Blech ab, entlastet die Leitungen am Austritt und ersetzt die nie ganz passende Normtülle.

Weiche Spannbacken aus geschäumtem TPU halten ein hochglänzendes Gehäuse in einem Maschinenschraubstock

Weiche Spannbacken

Backenaufsätze für Hochglanz- und Sichtteile: halten sicher, ohne Druckstellen oder Kratzer zu hinterlassen – in der Kontur des Werkstücks.

Greifer mit Faltenbalg-Elementen aus geschäumtem TPU hebt ein gebogenes Aluminiumblech

Bälge und Greiferelemente

Nachgiebige Anlageelemente und Faltenbälge am Greifer: gleichen Lagetoleranzen aus und setzen empfindliche Blechteile weich ab.

Gegenüber den üblichen Alternativen

Qualitative Einordnung für die Vorauswahl. Verbindliche Kennwerte legen wir projektbezogen fest.

Kriterium Geschäumtes TPU Massives TPU Moosgummi / Zupfschaum Hartgummi / Platte
Bauteilgewicht Niedrig – geschäumter Kern Hoch, massiv gedruckt Sehr niedrig Hoch
Oberfläche Geschlossen, abwischbar Geschlossen, abwischbar Offenporig, saugend Geschlossen
Dämpfung auf kurzem Weg Hoch – Kern federt nach Mäßig, eher hart Hoch, aber schnell durchgeschlagen Gering, gibt Stoß weiter
Öl- und Medienkontakt Kern bleibt geschützt Geeignet Saugt sich voll, quillt Werkstoffabhängig
Konturtreue Direkt aus CAD, maßgefertigt Direkt aus CAD, maßgefertigt Zuschnitt oder Raster Zuschnitt oder Werkzeug
Ab Stückzahl 1 Ja, ohne Werkzeugkosten Ja, ohne Werkzeugkosten Ja, aber Handarbeit Nur über Werkzeug oder Zuschnitt

Wo die Grenzen liegen

  • Kein Normteil und keine Zulassung. Wir liefern ein maßgefertigtes Bauteil, keine zertifizierte Dichtung. Schutzarten, Brandklassen oder Zulassungen für Lebensmittel- und Medizinkontakt sind damit nicht abgedeckt.
  • Jeder Kennwert hängt an der Drucktemperatur. Zwischen 240 und 270 °C wandert die Härte von 78 auf 63 Shore A, die Dichte von 0,88 auf 0,51 g/cm³ und die Reißfestigkeit von 10,3 auf 3,8 MPa (Herstellerdatenblatt). Einen einzelnen Datenblattwert gibt es deshalb nicht – wir legen die Temperatur am Lastfall aus und halten sie für Nachbestellungen fest.
  • Kein Struktur- und kein Hochtemperaturbauteil. Für tragende Teile, dauerhaft hohe Temperaturen oder hohe Flächenpressung sind technische Thermoplaste die richtige Wahl – dazu beraten wir ebenso.
  • Beständigkeit wird geprüft, nicht angenommen. Bei Medienkontakt brauchen wir das konkrete Öl, Reinigungs- oder Desinfektionsmittel, bevor wir eine Aussage treffen.

Von der Einbausituation zum Bauteil

  1. 1 Anfrage

    Anwendung schildern

    STEP/STL, Skizze oder Foto mit Einbausituation. Auch die Umgebung zählt: Medien, Temperatur, Taktzahl, Anpressdruck.

  2. 2 Auslegung

    Härte und Aufbau festlegen

    Wir legen Wandstärke, Kernaufbau und Schäumgrad auf den Lastfall aus – weicher Dämpfer oder formstabile Aufnahme.

  3. 3 Muster

    Erstteil prüfen

    Sie bekommen das Erstteil zum Einbauen. Passt der Anpressdruck nicht, ändern wir die Auslegung statt den Einbau.

  4. 4 Serie

    Nachfertigen bis 500 Stück

    Freigegebene Geometrie bleibt hinterlegt und ist jederzeit identisch nachbestellbar – ohne Werkzeug, ohne Mindestmenge.

Häufige Fragen zu geschäumtem TPU

Wie weich wird das Bauteil?

Die Spanne reicht von rund 85 Shore A ungeschäumt bis 63 Shore A bei maximaler Expansion – gesteuert über die Düsentemperatur zwischen 230 und 270 °C (Herstellerdatenblatt, ISO 7619). Weich bedeutet dabei immer auch leichter: Die Bauteildichte fällt von 0,88 auf 0,51 g/cm³. Wir legen die Härte am Lastfall fest und halten die Parameter für Nachbestellungen fest.

Ist die Oberfläche wirklich dicht?

Die Außenwand wird bewusst so gefahren, dass sie nicht aufschäumt – sie bleibt geschlossen und abwischbar, während der Kern expandiert. Bei funktional dichten Bauteilen wie Dichtungen oder Tüllen legen wir die Wandstärke entsprechend aus und prüfen das Erstteil.

Erreiche ich damit eine bestimmte IP-Schutzart?

Eine IP-Schutzart gilt immer für den kompletten Aufbau aus Gehäuse, Deckel, Verschraubung und Dichtung – nicht für die Dichtung allein. Wir liefern die passgenaue Dichtung, die Einstufung des Gesamtaufbaus bleibt bei Ihnen beziehungsweise beim Prüfinstitut.

Hält das Material Hydrauliköl aus?

TPU ist gegenüber Mineral- und Hydraulikölen deutlich robuster als übliche Weichschäume, und die geschlossene Haut hält das Medium vom Kern fern. Beständigkeit ist trotzdem immer medienabhängig: Nennen Sie uns das konkrete Öl oder Reinigungsmittel, dann bewerten wir es vor der Fertigung.

Kann ich geschäumtes TPU im Online-Kalkulator rechnen?

Ja. TPU Air steht als Werkstoff im Kalkulator – Datei hochladen, Material wählen, Preis sehen. Der Preis gilt für unsere Standardeinstellung; wenn Ihr Bauteil eine abweichende Härte oder einen anderen Schäumgrad braucht, stimmen wir das vor der Fertigung ab und passen gegebenenfalls an.

Ab welcher Stückzahl lohnt sich das?

Ab eins. Es gibt kein Werkzeug und keine Mindestmenge, der Aufwand steckt in der Konstruktion. Bei Wiederholteilen bleibt die freigegebene Geometrie hinterlegt, Nachbestellungen sind identisch – typisch sind Serien bis 500 Stück.

Weitere Fragen → Vollständige FAQ-Seite

Anwendung schildern, Auslegung bekommen

Schicken Sie uns die Einbausituation – Datei, Skizze oder Foto. Sie bekommen einen Vorschlag zur Auslegung und ein Angebot, auch für das Erstteil allein.

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