Feinguss-Modelle aus dem 3D-Drucker
Das Wachsmodell kommt aus der Spritzform – und die kostet Werkzeug, bevor das erste Teil existiert. Wir drucken das Urmodell stattdessen direkt aus Ihren CAD-Daten: ausbrennbar mit unter 0,003 % Ascherückstand, ab Stückzahl 1, ohne Werkzeugkosten.
Das Werkzeug kostet mehr als die Serie
Im klassischen Feinguss entsteht das Wachsmodell in einer Spritzform. Deren Kosten fallen unabhängig von der Stückzahl an – bei einem Einzelstück, einem Ersatzteil ohne Zeichnung oder einer Serie von zwanzig Teilen stehen sie in keinem Verhältnis zum Auftrag. Dazu kommt die Vorlaufzeit: Bis das erste Wachsmodell vorliegt, vergehen Wochen.
Ein gedrucktes Urmodell überspringt diesen Schritt vollständig. Es geht direkt aus der CAD-Datei in den Drucker, ist am selben oder nächsten Tag verfügbar – und eine Geometrieänderung kostet eine neue Datei statt eines neuen Werkzeugs.
Der Rest des Prozesses bleibt unverändert: einbetten, ausbrennen, abgießen. Ihre eingespielte Gießereitechnik muss nicht angefasst werden, nur das Modell kommt aus einer anderen Quelle.
Das Verfahren in wenigen Minuten
Vom CAD-Modell über das Einbetten bis zum ausgebrannten Hohlraum – kompakt erklärt. Das Video lädt erst beim Abspielen.
PolyCast im Feinguss
Wie ein gedrucktes PolyCast-Urmodell den Werkzeugbau für die Wachsspritzform ersetzt, worauf beim Ausbrennen zu achten ist und für welche Anwendungen sich das Verfahren rechnet.
Vom CAD-Modell zum Gussteil
Fünf Schritte – die ersten beiden übernehmen wir, die letzten drei bleiben in Ihrer Gießerei.
- 3D Fabrikant
Drucken
Urmodell aus PolyCast direkt aus Ihren CAD-Daten – ohne Werkzeug, ab Stückzahl 1.
- 3D Fabrikant
Glätten
Optional: Isopropanol löst die Oberfläche an, Schichtlinien verschwinden. Angusskanäle lassen sich dabei ankleben.
- Ihre Gießerei
Einbetten
Modell wird in Keramikschale oder Einbettmasse eingebettet.
- Ihre Gießerei
Ausbrennen
Ofen auf 1.100–1.200 °C: Die Schale sintert, das Modell brennt rückstandsarm aus.
- Ihre Gießerei
Abgießen
Metall füllt die entstandene Kavität. Schale anschließend spülen.
Wo sich ein gedrucktes Urmodell rechnet
Gießereien & Feingießereien
Modellzukauf ohne Werkzeugbindung: Sie erhalten druckfertige Urmodelle für Aufträge, bei denen sich eine Wachsspritzform nicht rechnet – Musterabgüsse, Nachbauten und Kleinserien. Ihr Ausbrennprogramm und Ihre Einbettmasse bleiben unverändert.
Typisch: Einzelabgüsse und Serien bis mittlere StückzahlMaschinenbau: Metallteile & Ersatzteile
Ein Metallbauteil in Stückzahl 1 – ohne Mindestabnahme und ohne Werkzeugkosten. Besonders geeignet für Ersatzteile, von denen nur noch ein Muster oder ein 3D-Scan existiert, und für Funktionsprototypen, die im Zielwerkstoff geprüft werden sollen.
Typisch: Ersatzteil nach Muster, Prototyp im ZielmetallSchmuck, Kunst & Restaurierung
Der klassische Wachsausschmelzguss – nur mit digitalem Modell. Die Oberfläche lässt sich mit Isopropanol glätten, sodass Schichtlinien vor dem Einbetten verschwinden. Für Einzelanfertigungen, Wiederholteile und Rekonstruktionen nach Vorlage.
Typisch: Unikate, Serienringe, NachbildungenDental & Medizintechnik
Modellguss-Anwendungen wie Prothesengerüste. Das Urmodell wird rückstandsarm ausgebrannt und ist im fertigen Gussteil nicht mehr enthalten – die Werkstofffreigabe des Endprodukts bestimmt also die Legierung, nicht unser Modellmaterial.
Kein Nachweis zu Biokompatibilität oder MDR – siehe Hinweis untenHinweis zu Dental- und Medizinanwendungen: Polymaker weist für PolyCast weder Biokompatibilität noch eine Eignung als Medizinprodukt aus, und wir leiten keine solche Eignung ab. Wir liefern ausschließlich das ausbrennbare Urmodell. Werkstofffreigabe, Biokompatibilität und der Konformitätsnachweis nach MDR für das fertige Gussteil liegen bei Ihrem Dentallabor beziehungsweise Ihrer Gießerei.
Was wir liefern – und was nicht
Das übernehmen wir
- Urmodell aus PolyCast, gedruckt nach Ihren CAD-Daten
- Konstruktive Bewertung der Geometrie vor dem Druck
- Orientierung der Schichten nach Bruchgefahr beim Handling
- Optionale Oberflächenglättung mit Isopropanol
- Anguss mitdrucken oder stoffschlüssig ankleben
- Trockene Lagerung bis zum Versand
Das bleibt bei Ihnen
- Einbetten in Keramikschale oder Einbettmasse
- Ausbrennen und Sintern der Schale
- Abguss und Legierungswahl
- Auslegung des Angusssystems
- Kompensation des Schwindmaßes
- Nachbearbeitung und Prüfung des Gussteils
Wir betreiben keine Gießerei. Diese Seite bewirbt das gedruckte Urmodell als Zulieferprodukt – damit Sie vorab wissen, wo unsere Leistung endet und Ihre beginnt.
PolyCast im Überblick
Mechanische und thermische Werte aus dem Herstellerdatenblatt Polymaker PolyCast V5.4, der Ascherückstand aus der Polymaker-Produktinformation. Basispolymer: PVB, ausbrennbar eingestellt.
| Eigenschaft | Wert | Prüfmethode |
|---|---|---|
| Ascherückstand nach Ausbrennen | < 0,003 % | Herstellerangabe (Ash-Free™) |
| Dichte | 1,10 g/cm³ | ISO 1183 |
| Zugfestigkeit (X-Y) | 53,2 MPa | ISO 527 |
| Zugfestigkeit (Z) | 26,3 MPa | ISO 527 |
| Glasübergangstemperatur | 70 °C | DSC |
| Zersetzungstemperatur | 260 °C | TGA |
| Wärmeformbeständigkeit (HDT/A) | 53 °C | ISO 75 |
| Gleichgewichtsfeuchte | 2,09 % | 70 % r.F., 23 °C |
⚠ Die Angabe zum Ascherückstand ist eine Herstellerangabe unter Laborbedingungen, kein Prüfzeugnis für Ihren Ofen. Ausbrennprogramm und Rückstand sind je Gießerei, Einbettmasse und Ofentyp zu validieren.
Häufige Fragen zum Feinguss-Modelldruck
Welches Ausbrennprogramm braucht ein PolyCast-Modell?
Polymaker gibt für die Schalenausbrennung 1.100–1.200 °C über 40–60 Minuten an – bei dieser Temperatur sintert die Keramikschale und das Modell brennt zugleich aus. Den Ascherückstand von unter 0,003 % nennt der Hersteller ohne Angabe einer Messtemperatur oder Prüfnorm. Wichtig: Das ist eine Herstellerangabe, kein Prüfzeugnis für Ihren Ofen. Aufheizrampe, Haltezeit und Ergebnis hängen von Ihrer Einbettmasse, der Modellwandstärke und dem Ofentyp ab – Polymaker weist ausdrücklich darauf hin, dass jede Gießerei ihr Programm selbst ermitteln muss. Wir empfehlen deshalb, die erste Serie mit einem Musterteil einzufahren. Nach dem Abkühlen sollte die Schale mit Wasser gespült werden, um verbliebene Asche auszutragen.
Wie maßhaltig ist das Modell – und wer berücksichtigt das Schwindmaß?
Das gedruckte Modell bewegt sich in den üblichen FFF-Toleranzen; wir fertigen exakt zu den Maßen, die in Ihrer CAD-Datei stehen. Entscheidend ist aber die gesamte Schwindungskette: Druckschwindung, Schwindung der Einbettmasse und Schwindung der Legierung beim Erstarren addieren sich – und die beiden letzten Glieder kennt nur Ihre Gießerei, weil sie von Einbettmasse und Werkstoff abhängen. Wir rechnen deshalb kein Schwindmaß eigenmächtig ein. Geben Sie uns entweder ein bereits kompensiertes Modell, oder nennen Sie uns den gewünschten Skalierungsfaktor – wir setzen ihn um und dokumentieren ihn im Auftrag.
Für welche Metalle ist das Verfahren geeignet?
Das ist keine Frage des Modells, sondern Ihrer Gießerei: Das PolyCast-Modell wird rückstandsarm ausgebrannt und ist im fertigen Gussteil nicht mehr enthalten. Damit sind grundsätzlich alle Legierungen möglich, die im Feinguss üblich sind – Bronze, Messing, Silber, Gold, Edelstahl, Aluminium. Die Grenze setzen Einbettmasse und Ofentechnik Ihres Gießereibetriebs, nicht das Modellmaterial.
Gibt es eine Mindestwandstärke für das Urmodell?
Ein Modell muss zwei Belastungen überstehen, die das spätere Gussteil nicht kennt: das Handling und das Einbetten. Sehr filigrane Stege können beim Einbetten aufschwimmen oder brechen. Als Richtwert arbeiten wir bei 0,4-mm-Düse mit etwa 0,8–1,0 mm Mindestwandstärke; feinere Strukturen sind machbar, wir bewerten sie aber vorab an Ihrer konkreten Geometrie. Da PolyCast in Z-Richtung nur rund die halbe Zugfestigkeit erreicht (~26 statt ~53 MPa), orientieren wir dünne Stege bewusst nicht senkrecht.
Konstruieren Sie den Anguss mit?
Das Angusssystem ist eine Gießereientscheidung – Lage, Querschnitt und Speiserführung hängen von Legierung, Gießverfahren und Traubenaufbau ab. Wir drucken den Anguss mit, wenn er in Ihrer CAD-Datei enthalten ist. Alternativ kleben wir Angusskanäle nachträglich an: PolyCast lässt sich mit Isopropanol anlösen und dadurch stoffschlüssig verbinden, ohne Fremdmaterial in die Kavität einzubringen.
Wie müssen die Modelle gelagert und transportiert werden?
Zwei Punkte sind kritisch. Erstens die Feuchte: PolyCast nimmt bis zu 2,09 % Wasser auf – wir drucken deshalb aus trocken gelagertem Material und versenden die Modelle verpackt. Zweitens die Wärme: Bei rund 53 °C Wärmeformbeständigkeit verzieht sich ein Modell bereits im aufgeheizten Fahrzeug oder im sonnenbeschienenen Lager, und jeder Verzug landet 1:1 im Gussteil. Modelle sollten kühl gelagert und zügig eingebettet werden.
Weitere Fragen → Vollständige FAQ-Seite
Urmodell kalkulieren oder Projekt besprechen
STL- oder STEP-Datei hochladen, PolyCast wählen – Preis und Lieferzeit stehen in unter einer Minute. Bei komplexen Geometrien schauen wir vorab gemeinsam auf die Machbarkeit.